Hochzeit Eröffnungstanz

Ist das für euch Vorfreude pur oder bekommt ihr schon beim Gedanken daran feuchte Hände?

Der Druck von außen ist oft riesig: Instagram und TikTok zeigen perfekte Choreografien, „Dirty Dancing“-Hebefiguren und Paare, die scheinbar schwerelos über das Parkett schweben. Und ganz ehrlich? Viele Paare denken sich dabei nur: „Oh Gott, alle gucken auf uns – und wir haben zwei linke Füße.“

Ich kann euch beruhigen: Atmet tief durch. Als euer Hochzeits-Experte zeige ich euch heute, warum Perfektion langweilig ist und wie wir euren Tanz so gestalten, dass er zu euch passt.

Bräutigam hebt die Braut beim Eröffnungstanz spektakulär in die Luft (Hebefigur), umgeben von Gästen mit Wunderkerzen unter Lichterketten im Freien.
Der Instagram-Traum: Eine spektakuläre Hebefigur à la Dirty Dancing. Sieht toll aus, ist aber absolut kein Muss für eure Feier!

1. Welcher Tanz passt zu uns? (Walzer, Fox oder Freestyle?)

Das Wichtigste vorab: Der Eröffnungstanz ist ein wunderschöner, intimer Moment, den ihr mit euren Gästen teilt. Es geht nicht darum, eine Erwartungshaltung der Gäste zu erfüllen. Es geht einzig und allein darum, dass ihr euch in diesem Moment wohlfühlt.


Der Wiener Walzer: Klassiker mit Platzbedarf 

Der Wiener Walzer ist natürlich der König der Hochzeitstänze und kann traumhaft aussehen. Aber er hat eine Tücke: Er braucht Platz! Wenn die Braut in ihrem weiten Kleid übers Parkett schwebt, wirkt das fantastisch. Wenn ihr dafür aber auf der Tanzfläche nur 5 m² Platz habt, sieht das schnell aus wie eine Kugel im Flipperautomaten, die von einer Bande zur nächsten stößt. Prüft also vorher: Gibt der Raum diesen Tanz überhaupt her?


Die entspannten Alternativen 

Wenn ihr keinen Walzer wollt (oder der Platz fehlt), ist das völlig okay.

  • Der Discofox ist heute der heimliche Favorit vieler Paare.
  • Andere studieren eine kleine, persönliche Choreografie ein.
  • Und sehr viele Paare wählen einfach den „Steh-Blues“: Ihr wiegt euch sanft zur Musik, schaut euch tief in die Augen und genießt eure Nähe. Das ist oft emotionaler als jeder einstudierte Schritt.

2. Die Regie: Wie der Moment entsteht (Kreis & Lichter)

Damit der Start nicht holprig wird, übernehme ich gerne die Regie. Meistens bitte ich alle Gäste, sich im Kreis um die Tanzfläche aufzustellen. Das schafft eine tolle Atmosphäre – ihr seid buchstäblich „umringt“ von euren Liebsten.


Ein Wort zu Wunderkerzen & Co. 

Oft haben Trauzeugen die Idee, den Gästen etwas in die Hand zu drücken. Hier ein paar Praxis-Tipps aus hunderten Hochzeiten:

  • Knicklichter: Spart euch das Geld. Die leuchten auf Fotos kaum und „glimmen“ nur traurig vor sich hin.
  • Wunderkerzen: Der Romantik-Klassiker, aber mit Tücken.
    1. Erlaubnis: Viele Locations verbieten sie wegen Brandflecken auf dem Boden oder der Rauchmelder. Klärt das unbedingt vorher!
    2. Logistik: Wenn ihr es macht, braucht ihr Organisation. Mit einem normalen Feuerzeug dauert das Anzünden so lange, dass beim letzten Gast die erste Kerze schon aus ist. Mein Profi-Tipp: Nutzt eine Lötlampe (ja, wirklich!) zum schnellen Anzünden und stellt Sektkübel mit Wasser bereit, um die heißen Drähte sicher zu entsorgen.

Stehen alle? Dann seid Ihr jetzt dran.

Ein Punkt, den viele vergessen: Wie kommt ihr eigentlich auf die Tanzfläche? Hier gibt es drei Varianten, die ich oft erlebe:

  1. Der Klassiker: Ihr steht schon bereit in der Mitte, das Licht wird gedimmt, die Musik startet.
  2. Der Einzug: Die Musik beginnt, und ihr lauft gemeinsam in den Kreis. Wichtig: Wir müssen darauf achten, dass die Gäste auch eine Lücke lassen!
  3. Der Boxkampf: Für die Coolen unter euch. Ihr startet in gegenüberliegenden Ecken der Tanzfläche und trefft euch wie zwei Champions in der Mitte.

Egal wie: Wir sprechen das vorher ab, damit ihr euch sicher fühlt.


3. Euer Song, Euer Mix (Die 90-Sekunden-Regel)

Ein Lied dauert im Radio oft 3 bis 4 Minuten. Das klingt kurz, fühlt sich aber auf der Tanzfläche wie eine Ewigkeit an, wenn alle Augen auf euch gerichtet sind. Deshalb mein wichtigster Rat: Niemand muss das ganze Lied durchtanzen!

Die Rettung durch den „Wedding-Edit“ Ich erstelle für meine Brautpaare oft spezielle Kurz-Versionen der Songs. Wir vereinbaren, dass ich das Lied nach ca. 90 Sekunden oder 2 Minuten sanft ausblende oder direkt in den nächsten Party-Track mixe. 1,5 Minuten reichen völlig aus, um den emotionalen Moment zu genießen und tolle Fotos zu bekommen. Danach darf die Party starten!

Individuelle Medleys statt Spotify-Playlist Es muss auch nicht immer ein Lied sein. Ich hatte mal ein Brautpaar, das riesige Helene-Fischer-Fans war (ja, das gibt es!). Für die beiden habe ich einen ganz individuellen Mix produziert: Es fing ganz romantisch und langsam an, und nach einer Minute wechselte der Beat in eine Party-Version. Das Ergebnis: Der Übergang zur Party war fließend und die Tanzfläche sofort voll. Euer Tanz soll so einzigartig sein wie ihr – und ich bastele euch den passenden Soundtrack dazu.


4. Die „Backstreet Boys“-Lösung (Wenn ihr gar nicht tanzen wollt)

Und was ist, wenn ihr wirklich Panik vor dem Tanzen habt? Wenn ihr sagt: „Harald, auf keinen Fall! Wir wollen nicht im Mittelpunkt stehen und uns drehen!“? Dann finden wir eine kreative Lösung. Dazu eine meiner Lieblings-Geschichten:

Ich hatte ein Paar, das absolut nicht tanzen wollte. Zusammen mit den Trauzeugen haben wir einen Plan geschmiedet, um die beiden vor dem klassischen Walzer zu „retten“. Ich habe am Mikrofon eine Ansage gemacht: „Das Brautpaar liebt Konzerte. Aber eine Band haben sie immer verpasst: Die Backstreet Boys. Um diese Lücke zu schließen, haben wir sie heute hier!“

Das Paar stand an der Tanzfläche, alle erwarteten einen steifen Tanz. Stattdessen stürmten der Trauzeuge und ein paar Freunde mit Pappmasken der Bandmitglieder herein. Ich spielte ein fettes Backstreet-Boys-Medley, die „Band“ performte Playback, und wir hatten sofort ein Konzert-Feeling! 

Das Ergebnis: Die Tanzfläche kochte, die Gäste grölten mit – und das Brautpaar musste keinen einzigen Walzerschritt machen, sondern konnte einfach mitfeiern.


Fazit & Ausblick 

Ihr seht: Es gibt kein „Muss“. Ob Walzer, Schunkeln oder Boygroup-Konzert – wir machen das, womit ihr euch wohlfühlt. Und wie geht es direkt nach dem Tanz weiter? Wie verhindern wir, dass die Gäste wieder Platz nehmen? Das ist ein so großes Thema mit vielen Fettnäpfchen (und Tricks), dass ich dazu demnächst einen eigenen Artikel schreibe.

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