„Hilfe, Onkel Werner will Schlager!“

Warum eure No-Go-Liste die Party rettet

Stellt euch vor: Die Tanzfläche kocht. Wir sind gerade voll im Flow mit coolen 2000er Hits oder feinstem House. Alle haben die Hände oben. Und dann kommt er. Onkel Werner. Er bahnt sich den Weg zum DJ-Pult, beugt sich über meine Technik und ruft begeistert: „Spiel doch mal die Polonäse von Blankenese! Damit die Stimmung hier mal richtig losgeht!“

In diesem Moment gefriert dem Brautpaar oft das Lächeln. Denn genau das wollten sie nicht: Dass ihre stilvolle Hochzeit zur Ballermann-Fete mutiert.

Als euer Hochzeits-Experte und DJ kenne ich dieses Spannungsfeld nur zu gut. Eine Hochzeit ist immer ein Dreieck aus Interessen:

  1. Eure Wünsche (Es ist eure Party!).
  2. Die Wünsche der Gäste (Sie wollen feiern – oft anders als ihr).
  3. Mein Anspruch als DJ (Eine volle Tanzfläche und glückliche Gesichter).

Wie wir dieses Dreieck meistern, ohne dass Onkel Werner beleidigt ist und ohne dass ihr „Atemlos“ hören müsst, wenn ihr es hasst? Mit einer gut gepflegten No-Go-Liste.

Ein Hochzeits-DJ lächelt, während ein älterer Gast enthusiastisch auf eine "No-Go Liste" für Musikwünsche auf dem Laptop zeigt. Songs wie Macarena und Baby Shark stehen auf der Verbotsliste.
Der diplomatische DJ im Einsatz: Wenn ein Gast sich einen Song wünscht, der auf der No-Go Liste des Brautpaares steht, hilft charmante Kommunikation.

Warum ich euch nach dem frage, was ihr NICHT wollt

In unseren Vorgesprächen sprudeln Paare oft über vor Ideen, welche Songs sie lieben. Das ist super! Aber fast noch wichtiger ist die Frage: Was sind eure absoluten Stimmungskiller?

Oft sind es nicht nur Genres, sondern ganz konkrete Auslöser:

  • Bestimmte Titel: „Bitte kein ‚Aloha Heja‘ – wir wollen nicht, dass die Leute auf dem Boden rudern.“
  • Spezielle Interpreten: „Jan Delay seine Stimme macht mich aggressiv“ oder „Auf gar keinen Fall die Böhse Onkelz.“
  • Erinnerungen: Manchmal ist es ein eigentlich schöner Song, der aber der „Unser Lied“ mit dem Ex-Partner war. Weg damit!

Typische Kandidaten für die rote Liste, die mir oft begegnen:

  • Genres: Malle-Party, Hardstyle, Assi-Deutsch-Rap oder klassischer Schlager.
  • Interpreten: Helene Fischer, Rammstein (zu hart für Oma?), Wendler.

Tabu ist nicht gleich Tabu – Die feine Abstufung

Jetzt wird es strategisch. Wenn wir eure No-Gos besprechen, gehe ich ins Detail. Denn es gibt zwei Arten von Verboten:


1. Die „harte Verbannung“

Das bedeutet: Dieser Song/Interpret läuft unter keinen Umständen. Egal, wer sich das wünscht. Selbst wenn die Schwiegermutter persönlich vor mir steht. Meine Strategie: Ich bin dann euer diplomatischer Schutzschild. Ich sage dem Gast freundlich, aber bestimmt: „Du, ich würde das gerne spielen, aber das Brautpaar hat diesen Stil für heute explizit ausgeschlossen. Wir spielen den Song in Gedanken woanders.“ Der Gast ist nicht sauer auf mich (ich mache ja nur meinen Job) und ihr bleibt verschont.


2. Die „softe Verbannung“ – geduldet für die Stimmung

Manchmal sagen Paare: „Eigentlich hassen wir Schlager. Aber wenn die Stimmung um 2 Uhr morgens kippt und alle es wollen… dann spiel halt einen.“ Das ist wichtig für mich zu wissen. Hier bin ich der Filter. Ich wäge ab: Zerstört dieser Wunsch gerade den Vibe oder rettet er ihn?


Meine 3 Experten-Tipps zum Umgang mit Wünschen

Damit wir am Abend gar nicht erst in die Bredouille kommen, könnt ihr schon bei der Planung viel richtig machen.

Tipp 1: Keine Wunschkarten auf den Tischen! 

Es sieht nett aus, ist aber für den DJ (und die Party) der Horror. Warum? Ein Gast schreibt „Highway to Hell“ auf eine Karte und gibt sie mir während des Desserts. Er erwartet, dass der Song gleich kommt. Wenn ich ihn nicht spiele (weil es nicht passt), ist er enttäuscht. Besser: Die Gäste sollen direkt zu mir kommen. Im Gespräch kann ich erklären, wann der Song passt – oder warum er heute nicht läuft.


Tipp 2: Vorsicht bei der Einladung

Schreibt bitte nicht in die Einladung: „Schickt uns eure Songwünsche vorab!“Ihr endet mit einer Liste aus 150 Songs, von Death Metal bis Kinderliedern, und habt das Gefühl, ihr müsstet alles „abarbeiten“. Das ist eure Hochzeit, kein Wunschkonzert der Volkshochschule.


Tipp 3: Vertraut eurem DJ

Ich bin nicht nur da, um Play drücken. Ich bin da, um die Energie im Raum zu lesen. Wenn ich merke, dass ein Wunsch die Tanzfläche leeren würde, dann spiele ich ihn nicht (oder erst ganz spät). Wenn ich merke, dass ein „No-Go“ (vielleicht doch ein Helene Fischer Song) die Party retten würde, schaue ich kurz zu euch rüber und hole mir ein Zeichen.


Fazit: Eure Party, eure Regeln

Musik ist Emotion. Und schlechte Emotionen (weil der falsche Song läuft) wollen wir vermeiden. Macht euch also Gedanken über eure No-Go-Liste. Schreibt sie auf. Seid ehrlich. Ich sorge am Abend dafür, dass eure Wünsche respektiert werden und Onkel Werner trotzdem glücklich ist – vielleicht einfach mit einem anderen Song, zu dem er genauso gut tanzen kann.

Lasst uns eure „musikalischen Grenzen“ im Detailgespräch abstecken!

Euer Harald

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