Freie Trauung, Kirche oder Standesamt

Blick aus dem Trauungszelt in Schillig auf Strand und Wattenmeer – Freie Trauung mit DJ-Begleitung durch DJ Braun4U

Wenn Brautpaare mich fragen, ob sie lieber standesamtlich oder frei heiraten sollen, muss ich sie erst mal korrigieren. Die Frage stellt sich so gar nicht. Eine standesamtliche Trauung ist in Deutschland keine Geschmacksfrage, sondern Pflicht. Nur dort bekommt ihr die Dokumente, die ihr später braucht, zum Beispiel wenn ihr euren Namen ändern wollt. Das Standesamt findet also so oder so statt.

Die eigentliche Entscheidung lautet: Wollt ihr zusätzlich zum Standesamt noch etwas anderes? Eine Kirche oder eine freie Trauung? Beides sind Kann-Varianten. Und weil ich bei beiden schon oft dabei war, und bei der Kirche eher selten, ordne ich euch heute ein, was euch bei jeder Variante erwartet.

Das Standesamt:
Immer schön, aber
selten überraschend

Am häufigsten war ich bei standesamtlichen Trauungen im Schloss Jever dabei, oft mit denselben Standesbeamten. Meine Aufgabe dort: Musik beim Einzug, ein Zwischenspiel, Musik beim Auszug. Ich bringe dafür immer eine ordentliche eigene Anlage mit, damit es nicht wie ein Radiowecker klingt, wenn die Braut auf den aufgeregten Bräutigam zugeht.

Audienzsaal im Schloss Jever mit prunkvoller Decke, Kronleuchtern und historischer Atmosphäre – Beispiel für Lautsprecher-Einsatz bei Trauungen

Nach acht oder zehn Trauungen am selben Ort mit denselben Beamten fällt mir etwas auf, das einem Brautpaar naturgemäß nicht auffallen kann, die heiraten dort schließlich nur einmal. Die Trauungen ähneln sich stark. Es gibt zwar immer einen kurzen persönlichen Teil über das Brautpaar, aber gefühlt wiederholen sich 50 bis 60 Prozent des Inhalts. Das ist kein Vorwurf, die Trauungen sind trotzdem immer wunderschön. Es ist einfach die Natur eines behördlichen Vorgangs: Er ist standardisiert, weil er es sein muss.

Zwei Platzprobleme, die viele Brautpaare unterschätzen

Wer standesamtlich in einem gewöhnlichen Rathaus heiratet, landet meist in einem klassischen Trauzimmer. Eine Behörde kann sich schließlich keinen Saal mit 30 Plätzen vorhalten, in dem nur gelegentlich eine Hochzeit stattfindet. Da wird es oft schon ab 20 Gästen eng.

Schloss Jever ist da eher die Ausnahme, dort ist in der Regel genug Platz, locker 50 Gäste gehen dort hinein. Das zeigt auch: Es lohnt sich, schon bei der Anmeldung nach der tatsächlichen Raumgröße zu fragen, statt sich auf das Wort „Trauzimmer“ zu verlassen.

Und dann ist da noch das Parkplatz-Problem. Standesämter liegen oft zentral, mit entsprechend wenig Parkraum drumherum. Bei Trauungen im Schloss Jever gebe ich dem Brautpaar deshalb immer eine kleine Übersicht mit Ausweich-Parkplätzen in Fußnähe mit. Die Brautpaare geben das gerne an ihre Gäste weiter, ein kleiner Baustein, der den Tag für alle entspannter macht.

Die gute Nachricht: Standesämter werden zunehmend flexibler. Bei uns im Wangerland zum Beispiel könnt ihr standesamtlich auch am Strand von Schillig heiraten, oder in Hooksiel, auf Burg Fischhausen, im Kapitänshaus des Sielhafenmuseums Carolinensiel, im Rathaus Jever, in der Accumer Mühle, im Rosarium Wilhelmshaven umgeben von 5.000 Rosen, oder im Wattenmeer-Besucherzentrum. Noch kurioser wird es im Torf- und Siedlungsmuseum Wiesmoor, dort heiratet man schon seit 1998 standesamtlich, und die Hochzeitsgesellschaft fährt mit einer echten Lorenbahn von der Blumenhalle zum Museum. Bei einigen dieser Orte haben schon Brautpaare von mir geheiratet, ich selbst stand dort aber nicht als DJ, das kenne ich nur aus der Region und will es nicht als eigenes Erlebnis verkaufen.

Der Prozess-Unterschied

Als ich für diesen Artikel noch mal auf der Website unserer Gemeinde nach den Details geschaut habe, musste ich schmunzeln. Der Unterschied zwischen einer standesamtlichen und einer freien Trauung zeigt sich nämlich schon lange vor der eigentlichen Zeremonie, und zwar in der Website, im Anmeldeprozess und im Preis.

Für eine standesamtliche Trauung meldet ihr euch persönlich bei eurem zuständigen Standesamt an, mit Ausweis, aktueller Meldebescheinigung, Geburtsurkunde, und bei einer Vorehe zusätzlich mit Scheidungsurteil oder Sterbeurkunde. Nach der Prüfung habt ihr sechs Monate Zeit zu heiraten, sonst müsst ihr euch neu anmelden. Und es kostet auch etwas: 75 Euro Grundgebühr für die Prüfung der Eheschließungsvoraussetzungen, plus 50 Euro für jeden Sonderfall, zum Beispiel bei ausländischem Recht. Das ist ein Beispiel aus dem Wangerland, die Gebühren können bei eurer Gemeinde abweichen.

Für eine freie Trauung braucht ihr nichts davon. Kein Amt, keine Gebührenordnung, keine Fristen. Nur eine Rednerin oder einen Redner, die oder der zu euch passt.

Freie Trauung:
Nichts muss, alles kann

Das ist auch der Leitsatz, unter dem ich freie Trauungen immer erlebt habe: Nichts muss, alles kann. Es gibt keine Vorgaben, weder zum Ort noch zum Ablauf noch dazu, wer spricht. Das macht die freie Trauung besonders dann interessant, wenn in eurer Familie unterschiedliche Religionen oder auch keine Religion aufeinandertreffen. Wo eine Kirche an ihre Grenzen kommt, ist bei einer freien Trauung fast alles möglich.

Ich habe inzwischen rund zehn verschiedene Traurednerinnen und Trauredner bei ihrer Arbeit begleitet, und jede und jeder von ihnen war komplett individuell und genau auf das jeweilige Brautpaar zugeschnitten. Ein paar Beispiele, die zeigen, wie unterschiedlich das aussehen kann:

Auf dem Zerstörer „Mölders“ im Deutschen Marinemuseum in Wilhelmshaven habe ich eine freie Trauung direkt auf dem Flugdeck erlebt. Grauer Stahl, Wind vom Jadebusen, kreischende Möwen, technisch anspruchsvoll, aber ein Ort, den es bei einem Standesamt niemals geben würde. Mehr dazu in DJ Wilhelmshaven Hochzeit Locations.

Auf Wangerooge, in den Dünen von Schillig, habe ich eine freie Trauung mit einer festen Dramaturgie begleitet: Einzug, Gelübde, Ring-Warming, Auszug, choreografiert gemeinsam mit Traurednerin Kathi von küsten-ja.de. Eine freie Trauung im Freien ist anspruchsvoller, als viele denken. Ich brauche Lautsprecher, ein Mikrofon für die Traurednerin, ein Mikrofon für die Sängerin. Das Ja-Wort muss schließlich jeder Gast hören. Mehr dazu unter DJ Wangerooge.

Bei einer Zelthochzeit im Dauerregen musste die freie Trauung kurzfristig ins Zelt verlegt werden, Plan D sozusagen. Ich habe den Wechsel live moderiert, sodass die Gäste kaum etwas davon mitbekamen. Im Nachhinein war die Trauung im Zelt nicht der schlechtere Kompromiss. Sie war intim, eng, emotional, genau das, was im Freien manchmal verloren geht, wenn 80 Leute auf einer Wiese verteilt stehen. Die ganze Geschichte findet ihr in Zelthochzeit im Regen.

In der Orangerie im Park Westerstede hat nicht einmal eine professionelle Traurednerin gesprochen, sondern die Schwester des Bräutigams. Die Worte kamen aus dem Herzen. Genau das ist der Gegenpol zur Standesamt-Wiederholung: Bei einer freien Trauung kann buchstäblich jeder sprechen. Nachzulesen in Hochzeit in der Orangerie im Park Westerstede.

Und im Forsthaus Upjever habe ich am 30. April 2022 eine freie Trauung auf der Wiese am Waldrand begleitet, weit weg von jedem Stromanschluss. Rund 50 Gäste, die alle etwas hören sollen, wird das schnell zur technischen Herausforderung. Solche Details erinnere ich mir noch genau, weil ich diese Locations über die Jahre einfach kenne, und genau solche kleinen Informationen geben Brautpaaren oft die Sicherheit, dass bei mir nichts dem Zufall überlassen bleibt.

Gartenhochzeit mit Stuhlreihen, Blumendeko und Uhrenturm im Hintergrund
Romantische Traukulisse mit Blumenweg und historischem Uhrenturm

Was eine freie Trauung im Freien technisch braucht

Bevor ihr euch für einen ungewöhnlichen Ort entscheidet, solltet ihr diese Punkte im Kopf haben:

  • Ein Mikrofon für die Traurednerin, den Trauredner und für euch als Brautpaar
  • Bei Musik zusätzlich ein Mikrofon für Sängerin oder Sänger
  • Lautsprecher, die auch die hinteren Reihen erreichen, bei 60 bis 100 Gästen ist das keine Kleinigkeit
  • Eine Stromversorgung, wenn der Ort, Wiese, Wald oder Strand, weit von jedem Anschluss entfernt liegt
  • Wind und Wetter als zusätzlichen Faktor im Freien mitdenken

Kirche

Was passt zu euch?

Die Frage ist also nicht Standesamt oder frei. Das Standesamt kommt sowieso. Die eigentliche Entscheidung ist, was ihr zusätzlich wollt: eine Kirche, eine freie Trauung, oder auch gar nichts davon, nur das Standesamt, und das ist genauso richtig. Bei einer freien Trauung gilt für mich immer: Nichts muss, alles kann. Und genau das macht sie bei jedem Brautpaar wieder anders.

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